SELBSTVERMARKTUNG – ist das nicht auch für Darstellende Künstler*innen wichtig?

Neulich in der U-Bahn hinter mir: “Wenn ich für meine kommende Premiere eine Facebook-Veranstaltung anlege, dann wird das schon mit den Verkaufszahlen. Sind ja auch gar nicht so viele Plätze. Und dann schreibe ich noch ein paar Mails an meine Kontakte, die leiten meine Sachen immer weiter. Ist doch ganz einfach, das mit der Selbstvermarktung, weiß gar nicht, warum da alle immer so einen riesen Tanz drum machen. Und die Banausen, die Kultur und Kunst nicht interessiert, erreicht man sowieso nicht.”

Hm, soweit so gut – aber ist das wirklich so? Reichen ein Facebook-Event und ein paar Mails an Freunde und Bekannte, um eine Aufführung zu füllen? Und kann es wirklich das Ziel sein, einfach nur ‘irgendwie’ den Saal zu füllen, wenn man monatelang an einem neuen Projekt arbeitet und seine Botschaft doch als Künstler*in eigentlich in die Welt hinaus schreien möchte?

Sicher: Unsere Zeit ist knapp bemessen, die Selbstausbeutung unter Freischaffenden (und im Besonderen Künstler*innen) hinreichend bekannt und die Frustration unter den Kreativen über den stetigen Rückgang des Interesses an Kunst und Kultur in der Gesellschaft groß. Umso wichtiger, dass Kunstschaffende diesen Ballast von sich werfen, sich selbst ermächtigen und lernen sich zielgerichteter zu verkaufen, finden wir von DigiMediaL!

Wie geht man/frau das Projekt Selbstvermarktung also an, was sollte man wissen, welche Kanäle eignen sich für mein Zielpublikum, welche Strategien funktionieren im Social Web, was braucht’s, was nicht? Wer sich selbst effektiv und effizient sicht- und hörbar machen möchte, muss bestimmte Strategien entwickeln und diese konsequent umsetzen, auch wenn dem Begriff Marketing (und allem, was damit zusammenhängt) in der künstlerischen Welt noch immer ein schaler Beigeschmack anhaftet. Der DigiMediaL Aufbaukurs unterstützt Berliner Akteure der Darstellenden Künste genau dabei. Bisher konnten wir den Kurs nur für Musikschaffende anbieten – doch vom 9.10. – 1.11. haben auch Akteure der Darstellenden Künste EINMALIG die Möglichkeit, den Kurs zu belegen; erste Vorkenntnisse im Marketing sind allerdings Voraussetzung zur Teilnahme.

Gern stellen wir das Weiterbildungsformat im Folgenden kurz vor. Alle Informationen zum Kurs und zur Bewerbung finden sich auch unter www.digimedial.de/aufbaukurs-selbstvermarktung-akteure-darstellende-kuenste/

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An wen richtet sich der Kurs?

Der DigiMediaL Aufbaukurs – SELBSTVERMARKTUNG FÜR AKTEURE DER DARSTELLENDEN KÜNSTE ist eine Kreativwerkstatt für Schauspieler*innen, Performer*innen, Sänger*innen, Darsteller*innen, Tänzer*innen, Regisseur*innen, Choreograf*innen, Dramaturg*innen, Produktionsleiter*innen und alle weiteren interessierten Kreativen aus dem Bereich, die sich von Branchen-Expert*innen coachen lassen und ihre Vermarktungs-Ideen für ein neues Projekt zu einem ausgereiften Konzept entwickeln wollen. Auch das Feedback von und der Dialog mit den anderen teilnehmenden Künstler*innen spielt im Kursverlauf eine große Rolle. Welches Ziel genau strategisch verfolgt wird, ist für die Kursteilnahme unerheblich: Sei es die Bewerbung der nächsten Vorstellungen, das Ankurbeln des VVK für ein kommendes Projekt, die Suche nach Kooperationspartnern, eine anstehende Förderakquise oder die weitere Positionierung am Markt.

Eine beispielhafte Vorlage für ein Marketing-Konzept kann auf der Website ww.digimedial.de/aufbaukurs-selbstvermarktung-akteure-darstellende-kuenste/ heruntergeladen und genutzt werden.

Was bietet der Kurs?

Der zertifizierte Kurs findet EINMALIG vom 9.10. – 1.11. statt und ist auf 10 Teilnehmer*innen beschränkt, um konzentriertes Arbeiten zu gewährleisten. Er ist berufsbegleitend angelegt und umfasst 4 Wochen mit jeweils zwei Vormittags-Sessions pro Woche. Bewerbungsvoraussetzung und Arbeitsgrundlage sind erste Vermarktungsideen für das individuelle künstlerische Projekt, die im Kursverlauf geordnet, geschärft, zugespitzt – und in ein erfolgversprechendes Marketing-Konzept gebracht werden sollen.

Gecoacht werden die Teilnehmenden dabei von Expert*innen aus der Berliner Szene, die wichtigen Input geben – unterstützt durch das Feedback der anderen Kursteilnehmenden. Die individuellen Ideen und Konzept-Skizzen der Teilnehmenden werden der Gruppe einzeln vorgestellt, intensiv befragt, diskutiert und so neue Gedanken eingebracht. Am Ende des Kurses soll aus den einzelnen Ideen jeweils ein effizientes und effektives Marketing-Konzept werden, welches mit Unterstützung des gewonnenen Netzwerks umgesetzt werden kann. Dabei lernen die Kursteilnehmenden sowohl von den Expert*innen als auch voneinander, denn nicht nur die Auseinandersetzung mit den eigenen Vermarktungsideen, sondern auch mit den Marketing-Skizzen der Kolleg*innen liefern wichtige Anregungen und Lerneffekte für die eigene Vermarktungsarbeit.

Wichtige Leitfragen für die Kursarbeit: Überzeugen meine Ideen für eine kreative Vermarktung meines Projektes? Passt mein Wording zur Zielgruppe? Habe ich mein Konzept effektiv auf das gesteckte Ziel ausgerichtet (z.B. Verkaufssteigerung für die kommende Premiere, höherer Kartenabsatz für die anstehenden Aufführungen, mehr Follower auf Facebook oder überhaupt eine erhöhte Reichweite in den sozialen Medien usw.)? Komme ich mit meinem Budget- und Zeitplan hin?

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Der Kursablauf und die Arbeitsmethode

Wie genau läuft der Kurs ab und wie funktioniert das mit dem Feedback zu meinem Konzept?

Ganz einfach: Nach einem kurzen professionellen Input zu spezifischen Bereichen aus dem professionellen Kulturmarketing bzw. der professionellen Kultur-PR widmet sich jeder Seminartag den Konzepten von jeweils 2 Teilnehmenden. Diese stellen zunächst nacheinander den aktuellen Stand ihres individuellen Marketing-Konzepts vor, wozu sie jeweils 20 Minuten Zeit haben. Im Anschluss werden die vorgestellten Konzepte mit den Kursteilnehmenden sowie den Branchen-Expert*innen diskutiert und gefeedbacked.  Dazu wird die so genannte Metaplan-Methode angewandt, eine Form der Diskussions-Moderation bei Gruppenarbeit, die mit Brainstorming und Pinnwand-Mindmaps zur Visualisierung der Arbeitsergebnisse arbeitet: Die Gruppe wird in 2 kleinere Gruppen à 4 Personen aufgeteilt, um 75 Minuten lang konzentriert an jeweils einem der vorgestellten Konzepte zu arbeiten. Diese sollen dabei kritisch befragt und im gemeinsamen Brainstorming weiterentwickelt werden. Pinnwände zum Sammeln des Feedbacks sowie neuer Ideen werden natürlich bereitgestellt. Währenddessen steht der oder die Branchen-Experte*in mit ihrem Erfahrungs- und Wissenshorizont beiden Gruppen als Coach zur Verfügung, wird inhaltliche Verständnisfragen stellen und neue Impulse in die Diskussion einbringen. Am Ende jeder Session steht eine 30minütige Reflexionsphase, in der die Ergebnisse der Arbeitsgruppen noch einmal gebündelt und sortiert werden. Auch Rückbezüge auf den Input des Tages können dann hergestellt werden. Jede*r Teilnehmende geht am Ende seines Präsentationstages also mit einem Paket wertvoller Anregungen zu seinen individuellen Vermarktungs-Ideen nach Hause – sowohl aus Experten- wie auch aus Kollegen-Sicht. Ergänzt wird der Kurs durch eine Beratungswoche, in der die Teilnehmenden je ein Einzelcoaching à 120 Minuten mit einer oder einem der Dozent*innen ihrer Wahl erhalten. Das gibt Gelegenheit, die individuelle Konzept-Skizze noch einmal konzentriert durchzusprechen, gezielt noch offene Fragen zu klären oder sich zu konkreten Themen beraten zu lassen.

Die Dozent*innen des Aufbaukurses

Voneinander lernen ist eine wichtige Devise des Kursangebots – aber natürlich auch von den Profis lernen. Als Dozent*innen für den Aufbaukurs konnten wir zentrale Expert*innen aus der Berliner Theaterszene gewinnen, die die Teilnehmenden mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-How im Kursverlauf begleiten werden. Die Dozent*innen setzen sich dabei aus Vertreter*innen der Freien Szene wie auch der großen Berliner Häuser zusammen, um den teilnehmenden Künstler*innen möglichst umfassende und vielseitige Perspektiven auf ihre Ideen und Skizzen zu geben:

Janina Benduski – Mitbegründerin und Gesellschafterin von ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Mitglied von Oper Dynamo West, Teil der Projektleitung des Performing Arts Programm und des Performing Arts Festival Berlin, kooptiertes Mitglied des LAFT – Landesverband freie darstellenden Künste Berlin sowie Vorsitzende des BFDK – Bundesverband freie darstellende Künste
Die studierte Theaterwissenschaftlerin arbeitete bereits neben dem Studium als Dramaturgin und Produktionsleiterin. Bei ehrliche arbeit, einem Produktionskollektiv für die freien darstellenden Künste, betreut sie u.a. die Kommunikationsstrategie von She She Pop und berät das Performance-Kollektiv seit 2014 auch beim Aufbau eines Archivs. Mit der Musiktheaterkompagnie Oper Dynamo West entwickelt sie seit 2006 Kunstprojekte im urbanen Raum. Neben ihrer Aufgabe als Teil der Projektleitung des PAP und ihrer Vorstandstätigkeit begleitet Janina Benduski für den LAFT Berlin die Präsentationsplattform Berlin Diagonale.

Heike Diehm – Gründerin und Leitung von k3 berlin – Kontor für Kultur und Kommunikation
Die Film-, Theater- und Medienwissenschaftlerin absolvierte Regieassistenzen, realisierte eigene szenische Installationen und Inszenierungen und entwickelte Performancekonzepte an und in verschiedenen Theatern und neuen Spielstätten u.a. in Berlin, Düsseldorf und Paris. Mit ihrer unabhängigen Agentur k3 berlin betreut und berät sie seit 2003 kulturelle Projekte jeder Größenordnung auf allen Feldern der Kommunikation und ist sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor tätig. Heike Diehm ist zudem Beraterin und Mentorin für Kulturschaffende und gibt Workshops zu verschiedensten Aspekten der Entwicklung und Realisierung strategischer Kommunikationskonzepte, u.a. für das Performing Arts Programm Berlin.

Elisa Müller – freie Regisseurin und Produzentin in Berlin, Gründerin von müller*****, Vorstandsmitglied des LAFT Berlin, Mitglied der Sprecherrunde der „Koalition der Freien Szene“, Mitglied im Rat für die Künste Berlin
Die Schauspielerin und Theaterwissenschaftlerin gründete 2008 das Performancelabel müller*****, mit dem bisher 16 Produktionen in Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Professionen entstanden, u.a. in Kooperation mit Ballhaus Ost Berlin, LOFFT.Leipzig, Fleetstreet Hamburg, LICHTHOF Hamburg, Sophiensæle Berlin, Theaterdiscounter Berlin, Vierte Welt Berlin, FKT Bochum und FFT Düsseldorf. Seit 2014 erarbeitete sie zudem unter dem Label „Institut für Widerstand im Postfordismus“ u.a. mehrteilige Reihen zwischen Performance und Diskurs sowie künstlerische Interventionen. Seit 2013 arbeitet sie regelmäßig mit Jugendlichen und ist als Dozentin tätig, u. a. an der UdK Berlin in den Bereichen Bildende und Darstellende Kunst. Beim Marketing-Wettbewerb des PAP Berlin gewann Elisa Müller den Marketing-Preis mit dem Konzept „Revolutionsautomaten für Kreuzberg“.

Rainer Simon – Referent des Intendanten der Komischen Oper Berlin, Vorstandsmitglied des Vereins „Zeitgenössisches Musiktheater Berlin e.V.“
An der Komischen Oper Berlin zeichnet der Musikwissenschaftler und Kulturmanager u.a. für Sonderprojekte, Festivals und Buchveröffentlichungen verantwortlich. Als freischaffender Wissenschaftler hat er u.a. an der Kunstuniversität Graz und der Freien Universität Berlin gelehrt und verschiedene Bücher und Texte zur Produktion und Wahrnehmung von Musiktheater und Musikaufführungen publiziert.

Xenia Sircar – Pressesprecherin des Maxim Gorki Theaters
Xenia Sircar kommt aus dem Journalismus. Nach einem Hörfunk- und Fernsehvolontariat beim Mitteldeutschen Rundfunk arbeitete sie 10 Jahre als Redakteurin und Beitragsmacherin für die Kultursendungen des MDR und der ARD, darunter Titel, Thesen, Temperamente, artour sowie das Kulturradio MDR Figaro. 2013 wechselte sie mit dem Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff ans Gorki.

Der Kurs im Überblick

Der DigiMediaL Aufbaukurs – SELBSTVERMARKTUNG FÜR AKTEURE DER DARSTELLENDEN KÜNSTE läuft EINMALIG vom 9.10. – 1.11.2017, ist auf 10 Teilnehmende beschränkt und schließt mit einem qualifizierten Teilnahmezertifikat ab. Bei einer Auftaktveranstaltung am 09.10.2017 haben alle Kursteilnehmenden die Gelegenheit, einander kennenzulernen. Kurstage sind danach jeweils der Dienstag und Mittwoch von 09.30-13 Uhr in Räumlichkeiten der UdK Berlin. In jeder Session erhalten die Teilnehmenden zunächst einen spezifischen Input der Branchen-Expert*innen zu Themen aus dem professionellen Kulturmarketing, bevor jeweils zwei Teilnehmende ihre individuellen Vermarktungsskizzen/-ideen vorstellen und mit dem Kurs sowie den Expert*innen diskutieren. In der 3. Kurswoche findet die Beratungswoche statt, in der jeder Teilnehmende in einem 120minütigen Einzelgespräch mit einem bzw. einer Dozent*in der Wahl die Möglichkeit erhält, sich individuell coachen zu lassen. In der letzten Kurssitzung erfolgt eine Kompetenzmessung und Kursauswertung. Da das an das UdK Berlin Career College angegliederte Projekt „DigiMediaL – Profilbildung für Musik, Schauspiel und Bühne“ aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa kofinanziert wird, kann ein Teilnahmebeitrag in Höhe von insgesamt 95€ ermöglicht werden.

Wie kann ich mich bewerben?

Wichtigster Bestandteil der Bewerbung sind erste Vermarktungsideen bzw. eine grobe Marketing-Skizze, die im Verlauf des Kurses überprüft und optimiert werden. Dazu finden Interessierte eine Konzeptionsvorlage zum Download unter: www.digimedial.de/aufbaukurs-selbstvermarktung-akteure-darstellende-kuenste/ WICHTIG: Es müssen (noch) nicht alle Punkte ausgefüllt werden – zentral sind die Kurzbeschreibung des Projektes und der Zielgruppen sowie angestrebte Ziele und erste Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Ziele erreichen möchten.
Bewerbungen sind noch bis zum 26.09.2017 möglich.
HIER ANMELDEN: www.digimedial.de/aufbaukurs-selbstvermarktung-akteure-darstellende-kuenste/

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